orf.on, 27/8
Am Wochenende trifft die Creme de la Creme der Geldpolitik in den Rocky Mountains aufeinander. Auf Einladung der Federal Reserve Bank of Kansas beraten mehr als 100 Notenbanker und Finanzexperten auf der jährlichen Konferenz über die wirtschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahre.
Unter den Gästen befinden sich die Präsidenten der wichtigsten Zentralbanken wie Ben Bernanke (Federal Reserve Boards, Fed), Masaaki Shirakawa (Bank of Japan) und Jean-Claude Trichet (Europäische Zentralbank, EZB).
Weniger US-Eigenheime verkauft
Die Zahl der verkauften Eigenheime gab im Juli um 12,4 Prozent nach, wie das Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Im Jahresvergleich gingen die Verkäufe sogar um fast ein Drittel zurück.
Einen dunklen Schatten auf die dreitägige Konferenz in Jackson Hole, Wyoming, werfen vor allem Sorgen der Finanzmärkte um die US-Konjunkturentwicklung. Die Angst, der US-Wirtschaft könnte ein neuer Abschwung bevorstehen, wurde am Mittwoch bekräftigt, als bekanntwurde, dass die Zahl der verkauften Eigenheime wieder dramatisch zurückging.
USA: Risiko einer Rezessionsrückkehr erhöht
Der Präsident der Chicago Federal Reserve Bank, Charles Evans, sagte Anfang dieser Woche, dass sich das Risiko einer Rückkehr der USA in die Rezession in den letzten Monaten erhöht habe. Das sei zwar nicht das wahrscheinlichste Szenario, hohe Arbeitslosigkeit und ein instabiler Immobilienmarkt machten die Erholung aber zu einer fragilen Angelegenheit.
Gespannt warteten Anleger auf eine für Freitag angesetzte Rede von Notenbankchef Bernanke. Der Markt erhofft sich davon Aufschlüsse darüber, wie die Fed die künftige Konjunkturentwicklung einschätzt. Es wird jedoch nicht erwartet, dass Bernanke Hinweise gibt, ob die Bank mehr Geld in die Wirtschaft pumpen wird, um die Erholung zu unterstützen.
In den vergangenen Jahren trafen die Notenbanker-Tagungen in dem malerischen Bergort jeweils mit wirtschaftlichen Wendepunkten zusammen: mit den Start der Krise 2007, die Tage vor der Lehman-Pleite 2008 und kurz vor dem Start des Aufschwungs 2009.

Reuters/Price ChambersShirakawa, Trichet und Bernanke beim vorjährigen Treffen
Sichere Anleihen gefragt
Die Skepsis auf dem Finanzmarkt gegenüber der US-Wirtschaft zeigt sich unter anderem in einer starken Nachfrage nach Staatsanleihen, die Ausdruck einer wachsenden Furcht vor Risiken ist und die Renditen drückt, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“). Etwas positiver sei die Stimmung jedoch noch auf den Aktienmärkten – die Kurse seien hier durch ordentliche Quartalsergebnisse und durch Hoffnungen auf viele Fusionen unterstützt worden.
Droht auch Euro-Raum Konjunkturschwächung?
In historischer Betrachtung seien Anleihemärkte jedoch die besseren Inflationsindikatoren als Aktienmärkte. Sollten sie auch diesmal richtig liegen, so die „FAZ“, droht nicht nur den USA, sondern auch dem Euro-Raum und Japan in absehbarer Zeit zwar keine Inflation, sehr wohl aber eine Konjunkturschwächung.
Leichte Entspannung auf Arbeitsmarkt
Eine positive Nachricht gab es im Vorfeld der Konferenz aber dennoch: Wie am Donnerstag bekanntwurde, verbesserte sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt in der Vorwoche überraschend gut. Deutlich weniger Menschen stellten einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe. Nichtsdestotrotz befinden sich die Werte weiter auf hohem Niveau.
Zumal sich auch in Europa eine Flucht der Anleger in sichere Anlagen beobachten lasse. So erreichte etwa die zehnjährige deutsche Bundesanleihe ein historisches Renditentief von knapp über zwei Prozent. Erst eine leichte Erholung der US-Arbeitsmarktdaten konnte den Ansturm auf die Anleihen am Donnerstag etwas bremsen, und die Rendite stieg leicht. Deutschlands starkes Konjunkturwachstum hatte zuletzt die Wirtschaft im gesamten Euro-Raum gestärkt.
Optimismus auf Vorjahreskonferenz
Die Stimmung der Notenbanker auf der Konferenz dürfte im klaren Widerspruch zum Optimismus auf dem Treffen im Vorjahr stehen. Damals lag der Fokus der Diskussion in Jackson Hole auf der Entwöhnung der Wirtschaft von den Unterstützungszahlungen, da sie sich langsam von der Rezession erholte.
Und so ist es nicht nur die US-Wirtschaft, um die sich die Notenbanker Sorgen machen. „Nicht nur die USA wurden im Juni und Juli abgewürgt, es ist die Weltwirtschaft, die über die Sommermonate schlapp gemacht hat“, sagte Ellen Zentner, US-Ökonom für die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ in New York. So wird auch erwartet, dass die Vertreter der Bank of England und der Bank of Japan über die Möglichkeit sprechen, mehr Geld in die Märkte pumpen zu müssen, um den Wachstum ihrer Volkswirtschaften zu stimulieren.