Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Nach den kristallklaren Aussagen des Föhrenbergkreises zur Finanzwirtschaft aus dem Jahr 1999 gibt es jetzt einen neuen Arbeitskreis zum Thema.

Regulierung: Was überhaupt nicht zur politischen Diskussion steht

Posted by hkarner - 21. Mai 2010

Nun geht  (nach 1 1/2 Jahren) endlich etwas weiter mit der Regulierung:

  • der amerikanische Senat hat gestern Obama’s ” far-reaching financial regulatory bill” (siehe unten anliegend)  freigegeben und weitergeleitet
  • Deutschland hat – weil es nicht weiter warten wollte, die (“bis Oktober 2010″ versprochene Regelung)  zu nackten Leerverkäufen auf Staatsanleihen und deren CDS’s verboten
  • die EU Finanzminister haben eine zahnlose Regelung zur Registrierung von Hedge-Fonds-Managern beschlossen
  • heute soll über weitere Regelungen diskutiert werden, und wie man geordnete Insolvenzverfahren für Staaten regeln soll

Aber, alle wesentlichen strukturellen, systemischen Massnahmen fehlen in  der Diskussion:

  1. Physische Trennung der Banken in Geschäftsbanken und Investmentbanken: seit der Aufhebung des Glass-Steagall Aktes 1999 in den US ein Hauptgrund für den Crash, weil die Investmentbanken mit dem billigen Geld der Sparer im “Casino” spielen durften – genau dies haben z.B. in Österreich auch die Spitzeninstitute der Genossenschaftsbanken, Sparkassen mit dem billigen Geld der Sparer gemacht! Dies kann gelöst werden:
    1. durch Neueinführung von “Glass-Steagall”, nicht nur in den US, sondern auch in Europa, wo dies nie wirklich geübt wurde – in China gibt es schon immer eine Glass-Steagall-artige Trennung!
    2. durch die Übernahme des  kompletten “Volcker”-Ansatzes (Trennung des Bankgeschäftes von Eigenhandel, Hedge Fonds und Private Equity). Dies geht aber z.B. Nouriel Roubini nicht weit genug, daher ist er für das strikte Einführen von Glass-Steagall (also 1.)
    3. durch Einführung eines LPB (“Limited Purpose Bankings”) nach Laurence Kotlikoff:  Der lässt alle unterschiedlichen Institutionen für sich selbst stehend, getrennt und scharf reguliert zu: Geschäftsbanken, Investmentbanken, Hedge- und Private Equity Fonds, Versicherungen – aber reduziere das Risiko (radikal) für die jeweilige Form. Sie werden reduziert auf enge Vermittler (“narrow intermediaries”) wie  Investmentgesellschaften (“mutual-fund firms”). Anstatt Spareinlagen zu verwalten und Kredite zu vergeben, Banken sollen Kreditnehmer mit Sparern verbinden durch ultra-sichere Fonds, die für diese Zwecke gegründet wurden (und daher auch gut und transparent dargestellt , reguliert und auf Risiko geprüft werden können).
  2. Lösung des Problems “Too-big-to-fail” oder besser “Too-interconnected-to-fail”
  3. Strengere Unterlegung durch Eigenkapital, um das Risiko zu begrenzen:
    1. Das Leverage (Verhältnis Eigen- zu Fremdkapital) gehört weiter erniedrigt. Hatte Basel II eine Leverage von 12 (8% Unterlegung durch Eigenkapital), so ist das kontemplierte Basel III mit 8 (>12% Eigenkapital, und das  nur mit 100% konsolidierten Beteiligungen) schon sinnvoller. Ein wesentlicher Grund für die Finanzkrise 2008 war, dass ja die amerikanischen Banken ab April  2004 eine Leverage von 30 erlaubt hatten, in der Praxis aber (Lehman Brothers, Goldman, …) mit einer Leverage von bis zu 60 arbeiteten.
    2. Und wir meinen wirklich “Eigenkapital”. Um ihre Geschäfte ausweiten zu können (über die Leverage 12), haben die Banken (toleriert durch die Notenbanken und Finanzmarktaufsichten) einfach das “Kapital” herangezogen, das ist: Aktiva minus Passiva. Wenn ich nun die Aktiva nicht abwerte (“Mark to Market”), sondern sie (dank der Änderungen des International Accounting Standard Board gleich nach der Lehmann-Pleite) in eine andere Asset-Kategorie (“Held to Maturity”) verschiebe, wo keine Abwertung “nötig” ist, dann kann ich das “Kapital” künstlich hoch halten. Deswegen sind ja die Bank-Bilanzen seit 4Qu2008 nicht mehr ernst zu nehmen.
  4. Ohne das Problem der Finanzkrise allerdings an der Wurzel anzugehen und zu lösen, werden alle Regulierungsmassnahmen nicht greifen und systemisch zur nächsten Krise führen: Die Finanzkrise ist eine Schuldenkrise!!! Und solange
    1. nicht entschuldet wird, sondern im Gegenteil immer mehr Liquidität auf das Problem geworfen wird (also das Feuer mit Öl gelöscht werden soll)
    2. es keine nachhaltigen Steuerungsmassnahmen gibt, das das Wachstum der Finanzvermögen nicht grösser sein darf als das Wachstum der Realwirtschaft

wird es immer zur Entladung (und somit zum Crash) kommen! 

Anliegend die Zusammenstellung der New York Times (21/5/10) über die weitergeleiteten Regulierungsvorschläge durch den amerikanischen Senat

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Eine Antwort to “Regulierung: Was überhaupt nicht zur politischen Diskussion steht”

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