Föhrenbergkreis Finanzwirtschaft

Nach den kristallklaren Aussagen des Föhrenbergkreises zur Finanzwirtschaft aus dem Jahr 1999 gibt es jetzt einen neuen Arbeitskreis zum Thema.

Die Banken sollen doch in Zeiten der Krise ihre eigenen Bilanzierungsstandards setzen können!

Geschrieben von grobol - 9. November 2009

So ernst war unser Vorschlag, den Banken je nach Bedarf besondere Bilanzierungsregeln zu erlauben, ja nun auch nicht gedacht, aber wenn schon eingeführt wäre es doch nur fair auch für die „Normalsterblichen“ der Wirtschaft Bilanzierung je nach Belieben und Bedarf zu erlauben oder doch gleich besser per Gesetz nur noch die Erstellung von positiven Bilanzen zu verlangen. GR

Aus: Wie die Huffington Post berichtet, hofft die Bankenindustrie inmitten der anhaltenden Diskussionen um Verschärfungen zur Regulierung der Finanzmärkte darauf, ein in aller Stille arbeitendes und machtvolles Gremium auszuschalten, das ihr seit der großen Depression Schranken aufgewiesen hat, indem sie versucht, die Unabhängigkeit des Rats für Bilanzierungsfragen (FASB) zu unterlaufen. Dieser Schritt könnte effektiv dazu führen, dass die Banken in Zeiten der Krise ihre eigenen Bilanzstandards setzen können. Überraschenderweise in einer Zeit, in der die breite Öffentlichkeit nach einer verschärften Regulierung des Sektors ruft, um die exzessive Risikobereitschaft der Finanzindustrie zu reduzieren, versuchen die Banken den US-Kongress momentan dazu zu bewegen, im Falle eines erneuten großen Marktabschwungs die Fähigkeit zu besitzen, ihre Bilanzrichtlinien zu ändern – hauptsächlich durch Frisierung der Zahlen – so dass weder die Öffentlichkeit noch Investoren dazu in der Lage sein werden abzuschätzen, wie insolvent die Institute tatsächlich sind. Indem sie die sinkenden Preise ihrer Vermögenswerte ignorieren, können sie die Standardanforderung, mehr Kapital an den Märkten aufzunehmen, umgehen. Der Mechanismus ist enthalten in einem Gesetzeszusatz, der Mitte November durch den republikanischen Abgeordneten aus Colorado, Ed Perlmutter, eingebracht wird, und der die Autorität über das Financial Accounting Standards Board (FASB) von der Securities and Exchange Commission (SEC) in Richtung eines neu zu schaffenden Gremiums verlagern würde, einem so genannten “Kontroll-Gremium”, welches als Mitglieder die offiziellen Vertreter aufnehmen würde, die für die Kontrolle von systemischen Risiken durch die Finanzmärkte verantwortlich zeichnen. Diese Mitglieder des Kontrollgremiums würden mit der Autorität ausgestattet, die Bilanzierungsrichtlinien der FASB auszuhebeln, indem zukünftig die allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen in Betracht gezogen werden. Dieser Schritt ist derart radikal, dass er einen Riss durch Corporate America verursacht hat. Die Banker und Mitglieder des Kongresses, die den Gesetzeszusatz unterstützen, haben sich selbst einen bislang nicht auszudenkenden Feind geschaffen: die US-Handelskammer.

Ein typischer Unternehmer oder Investor bevorzugt nach allem, was passiert ist, eine unabhängige Bilanzierung, weil sie reale Produkte und Waren kaufen und verkaufen, die einen inneren Wert aufweisen. „Washington denkt nicht klar genug darüber nach“, sagte Josh Rosner, Geschäftsführer von Graham, Fischer & Co, ein in New York ansässiger Finanzanalyst, der sowohl Aufsichtsbehörden als auch institutionelle Investoren berät. „Finanzberichte dienen den Investoren als Einschätzungsgrundlage über die Geschäftsentwicklung.“ Die Erlaubnis für eine willkürliche Änderung der Bilanzierungsstandards in Zeiten, in den Banken wirtschaftlichen Problemen ausgesetzt sind, würde in der Tat dazu führen, dass diese noch mehr Risiken eingehen und in der Folge Betrug gesetzlich legitimiert würde. Die Aufsichtsbehörden würden dann unter einem enormen politischen Druck stehen – und in mancher Hinsicht direkten Anweisungen ausgesetzt sein – dass Banken noch lange im Geschäft bleiben können, nachdem sie insolvent geworden sind, in der Hoffnung, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung umkehrt und sie wieder wachsen können. Und anstatt das System zu stabilisieren würde die Erlaubnis für die Aufhebung der Bilanzierungsunabhängigkeit durch die Marginalisierung des FASB das System auf lange Sicht destabilisieren, da Investoren und andere Banken nur wenig Vertrauen in die Aufrichtigkeit von Finanzberichten hätten. Perlmutter teilte gegenüber der Huffington Post mit, dass unter seinem Vorschlag die FASB “ein Teil der SEC bleiben würde”. In Fällen, in denen allerdings bestehende Bilanzierungsrichtlinien eine Gefahr für das Finanzsystem darstellen würden, indem sie die ablaufenden Vorgänge noch verschärfen – pro-zyklisch bis zu einem Punkt, der ebenfalls zu einer Bedrohung des Systems avanciert – sollten die Aufsichtsbehörden bzw. der systemische Kontrolleur eingreifen können. „Man kann von nahezu jeder Situation davon ausgehen, dass es keine Änderungen benötigt, allerdings würde  eine Änderung im Falle einer Bedrohung des Systems – wozu die Dysfunktionalität der Märkte gehört, die wir von Oktober bis März erlebt haben – eine Änderung rechtfertigen, da die Bilanzierungsrichtlinien einfach nicht den Bedingungen entsprachen, in denen sich die Märkte befanden“, sagte Perlmutter. Leslie Oliver, Sprecherin von Perlmutter, sagte, dass die Befürworter des Gesetzeszusatzes nicht überrascht gewesen seien in Bezug auf die Opposition aus einigen bestimmten Sektoren von Corporate America.

„Diese Reaktion ist verständlich im Sinne eines Unternehmens, das über greifbare Vermögenswerte verfügt“, sagte sie. Perlmutter erklärte, er erwarte nun eine persönliche Kontaktierung seitens der US-Handelskammer. Dass sich die Bankenindustrie selbst in der Opposition wieder findet im Hinblick auf große Sektoren der Geschäftswelt ist Beweis genug, dass sich ein historischer Kampf um die Macht über die Kontrolle auf dem Weg befindet. Die Frage schüttelt gerade den Finanzausschuss des Repräsentantenhauses durch. „Dieser Zusatz hat zu einem hohen Grad kontroverser Ansichten geführt“, teilte der demokratische Vorsitzende Barney Frank aus Massachusetts mit. Frank habe nun eine Entscheidung zu treffen, in welchem Lager er sich selbst befinde, wie er sagte, darauf wartend, bis Perlmutter seine Treffen mit den Mitgliedern des Ausschusses zu einem Abschluss gebracht hat. „Ich sagte ihm, ich würde warten, bis er seine Gespräche abgeschlossen hat”, so Frank gegenüber der HuffPost. Die FASB kämpft derweil um ihre Unabhängigkeit. „Der Gesetzeszusatz, über den hier nachgedacht wird, repräsentiert einen politischen Umschwung, der eine fundamentale Bedrohung der Ziele der Bilanzregulierung mit sich bringt, der den Prozess politisiert und das Finanzsystem schädigt“, teilte Neal McGarity, Sprecher der FASB, mit. „Die Aufgabe von Aufsichtsbehörden der Banken ist es, die Sicherheit und Gesundheit des Bankensystems zu garantieren. Deshalb nehmen wir in dieser Angelegenheit eine vollkommen konträre Sichtweise ein. Und deshalb ist diese Angelegenheit auch höchst bedenklich.“ Ein machtvoller stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses ist bereits gegen eine Änderung. „Ich bin uneingeschränkt für die Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit der FASB und sehe keinen Grund von dieser Meinung abzuweichen“, so der republikanische Abgeordnete Paul Kanjorski gegenüber HuffPost. Die US-Handelskammer gesellte sich zu den Investoren und Prüfern, die den Gesetzeszusatz von Perlmutter boykottieren.

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